Dispositive von ‚dis/ability‘
im gesellschaftlichen Wandel

(Erwerbs-)Arbeit als biographische Erfahrung und Alltagspraxis im Kontext von (Nicht-)Behinderung

Leitung: Prof. Dr. Anne Waldschmidt, Universität zu Köln
Wiss. Mitarbeit: Dr. Sarah Karim, M.A.; Fabian Rombach, M.A.; Lisa Prior, B.A.
Laufzeit: 01.10.2018 – 31.03.2023
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn
Projektkennziffer: 405662445
Webseite: 
http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/405662445

Der gesellschaftliche Umgang mit behinderten Menschen befindet sich seit einiger Zeit in einem grundlegenden Wandlungsprozess. Mit der derzeit laufenden Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Dynamik in Richtung Inklusion und Teilhabe noch beschleunigt. Während im Bildungssystem die schulische Inklusion kontrovers diskutiert wird, spielt die (Erwerbs-)Arbeit von Menschen mit Behinderungen in den gesellschaftlichen Debatten bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Am Beispiel der zentralen Lebenslage (Erwerbs-)Arbeit und mit Hilfe des Dispositivkonzepts untersucht das Projekt, wie sich die Problematisierungsweisen von ‚dis/ability‘ verändern. In qualitativ-empirischen Untersuchungsschritten werden die Verbindungen zwischen behindertenpolitischen und -pädagogischen Diskursen, programmatischen Anrufungen, gesellschaftlichen Institutionen und alltäglichen Praktiken sowie den Subjektivierungsweisen von Menschen mit Behinderungen herausgearbeitet. Untersucht werden, erstens, in einer diachronen Perspektive die Erwerbsbiographien von zwei Altersgruppen von Männern und Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen und, zweitens, auf synchroner Ebene das gegenwärtige Arbeits(er-)leben von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Werkstätten und Inklusionsbetrieben.

Als Erhebungsmethoden dienen leitfadenstrukturierte, narrativ orientierte Interviews, ethnographische Beobachtungen und Gruppendiskussionen; die Auswertung erfolgt mittels Diskurs- und Dispositivanalysen; dabei wird im Anschluss an den Intersektionalitätsansatz auch die Interdependenz der Differenzkategorien Gender und dis/ability berücksichtigt. Der integrative Forschungsansatz verbindet Perspektiven der allgemeinen Soziologie, der Soziologie der Behinderung und der Disability Studies. Das Projekt liefert Beiträge zu den aktuellen Debatten über Inklusion, Partizipation und Intersektionalität. 

Publikationen:

  • Waldschmidt, Anne/Karim, Sarah/Ledder, Simon. (2020). Wie lässt sich ‚dis/ability‘ mit Hilfe des Dispositivkonzepts nach Michel Foucault theoretisch denken und empirisch untersuchen? Eine Einführung. In: Brehme, David/Fuchs, Petra/Köbsell, Swantje/Wesselmann, Carla (Hrsg.) Disability Studies im deutschsprachigen Raum. Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung. Weinheim (Beltz Juventa), S. 158-164.
  • Karim, Sarah/Waldschmidt, Anne. (2019). Ungeahnte Fähigkeiten? Behinderte Menschen zwischen Zuschreibung von Unfähigkeit und Doing Ability. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 44. Jg., H. 3, S. 269-288. DOI:10.1007/s11614-019-00362-3 (peer review)

Vorträge & Workshops:

  • Sarah Karim: “Doing differences at work: Comparing practices in inclusive and sheltered work institutions for persons with learning difficulties”. Presentation at the annual ALTER conference “Rethinking Institutions and Deinstitutionalisation from a Disability Perspective”, Université Saint-Louis in Brussels, July 8, 2022 (with Anne Waldschmidt & Fabian Rombach).
  • Fabian Rombach: “Working with disabilities: What role do institutions and professionals play in disabled persons’ experiences of labour market participation?” Presentation at the annual ALTER conference “Rethinking Institutions and Deinstitutionalisation from a Disability Perspective”, Université Saint-Louis in Brussels, July 7, 2022 (with Anne Waldschmidt & Sarah Karim).
  • Anne Waldschmidt: “Beyond Erving Goffman’s ‘total institution’: Rethinking institutions for persons with disabilities from the perspective of dispositif analysis”. Presentation at the annual ALTER conference “Rethinking Institutions and Deinstitutionalisation from a Disability Perspective”, Université Saint-Louis in Brussels, July 7, 2022 (with Sarah Karim & Fabian Rombach).
  • Sarah Karim, Fabian Rombach, Lisa Prior: „(Erwerbs-)Arbeit mit Hindernissen: Welche Bedeutung haben ‚relevante Andere‘ im Kontext von (Nicht-)Behinderung?“. Vortrag im Rahmen der Tagung „Interdisziplinäre Perspektiven der adressat*innenorientierten Folgenforschung“ des DFG-Graduiertenkollegs GRK 2493 „Zwischen Adressatlnnensicht und Wirkungserwartung: Folgen sozialer Hilfen“, Universität Siegen, online, 21. Oktober 2021.
  • Anne Waldschmidt: „Wie lässt sich (Nicht-)Behinderung als Folge sozialer Hilfen dispositivanalytisch untersuchen? Ein Werkstattbericht“. Vortrag auf der Tagung „Interdisziplinäre Perspektiven der Folgenforschung“ des DFG-Graduiertenkollegs GRK 2493 „Zwischen Adressatlnnensicht und Wirkungserwartung: Folgen sozialer Hilfen“, Universität Siegen, online, 20. Oktober 2021.
  • Anne Waldschmidt: “Inclusion – Accessibility – Normality: Some Remarks from a Dispositif-Analytical Perspective”. Keynote at the workshop “Access and Tinkering: Designing Assistive Technologies as Political Practice”. Workshop & 3rd meeting of the DFG-Network „Dis-/Abilities and Digital Media“, Humboldt-University Berlin, online, 17th September, 2021.
  • Sarah Karim: “Un/Doing Dis/ability: Die Werkstatt für behinderte Menschen zwischen Schutzraum und Leistungsimperativ“. Forschungswerkstatt auf dem 2. Kongress der Teilhabeforschung, Katholische Fachhochschule NRW & Aktionsbündnis Teilhabeforschung, Münster, 15.-16. September 2021 (in Kooperation mit Prof. Dr. Matthias Otten, Technische Hochschule Köln).
  • Sarah Karim: “Un/Doing Disability while Un/Doing Gender? An ethnographic study on practices in inclusive and sheltered workplaces for persons with learning difficulties”. Presentation in the stream “Beyond the gender binary: Empirical research and conceptual developments in times of transformation” at the 11th international interdisciplinary conference “Gender, Work and Organization”, on “Transforming Contexts, Transforming Selves: Gender in New Times”, University of Kent, UK, online, July 1, 2021 (with Anne Waldschmidt).
  • Sarah Karim: “Un/doing Dis/ability im Arbeitsalltag. Eine vergleichende Analyse von Praktiken in Inklusionsbetrieben und Werkstätten für behinderte Menschen”. Vortrag im Rahmen der Tagung „Arbeitsmarktintegration im Alltag. Inklusionsbedarf von gesundheitlich beeinträchtigten und anderen benachteiligten ArbeitnehmerInnen.“ Technische Universität Berlin, Institut für Soziologie, digital, 3. Dezember 2020.
  • Sarah Karim: “Un/Sichtbarkeit einfordern: Behinderte Menschen zwischen Anerkennung und Stigmatisierung”. Vortrag im Rahmen der Ad hoc-Gruppe „Unsichtbarkeit als Kategorie sozialer Ungleichheit – theoretische und empirische Analysen zu alltäglichen Praxen, Machtverhältnissen und Grenzverschiebungen“ auf dem 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, digital, 18. September 2020.
  • Sarah Karim: “Un/doing dis/ability – A Practice Theory approach to working in sheltered and inclusive environments. Vortrag im Rahmen der Konferenz „Histories, Practices and Policies of Disability: International, Comparative and Transdisciplinary Perspectives”. 8th Annual Conference of ALTER – European Society for Disability Research. Universität zu Köln, 5. September 2019.
  • Simon Ledder: „Vehikel oder Barriere der Inklusion? Die Erwerbsarbeit von Menschen mit Behinderungen als Thema des behindertenpolitischen Diskurses in Deutschland“. Vortrag auf der 34. Jahrestagung der Inklusionsforscher*innen “Grenzen.Gänge.Zwischen.Welten“, Universität Wien, 28. Januar 2020 (mit Anne Waldschmidt und Sarah Karim)
  • Workshop: „(Nicht-)Behinderung – ein ‚Dispositiv‘? Einführung und Fallstudien“ auf der Tagung „Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung. Disability Studies im deutschsprachigen Raum“, Alice-Salomon-Hochschule Berlin, 20. Oktober 2018
    • Anne Waldschmidt: Wie lässt sich „dis/ability“ mit Hilfe des Dispositivkonzepts nach Michel Foucault theoretisch denken? Eine Einführung
    • Sarah Karim: Das ‚(un-)fähige Selbst‘ im Spannungsfeld von Dispositiven der (Erwerbs-)Arbeit und Inklusion
    • Simon Ledder: Konstruktionen von (Nicht-)Behinderung in digitalen Spielen