Dispositive von ‚dis/ability‘
im gesellschaftlichen Wandel

(Erwerbs-)Arbeit als biographische Erfahrung und Alltagspraxis im Kontext von (Nicht-)Behinderung

Lei­tung: Prof. Dr. Anne Wald­schmidt, Uni­ver­si­tät zu Köln
Wiss. Mit­ar­beit: Dr. Sarah Karim, M.A.; Fabi­an Rom­bach, M.A.
Lauf­zeit: 01.10.2018 – 30.06.2022
Finan­zie­rung: Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft, Bonn
Pro­jekt­kenn­zif­fer: 405662445
Web­sei­te: 
http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/405662445

Der gesell­schaft­li­che Umgang mit behin­der­ten Men­schen befin­det sich seit eini­ger Zeit in einem grund­le­gen­den Wand­lungs­pro­zess. Mit der der­zeit lau­fen­den Umset­zung der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on hat sich die Dyna­mik in Rich­tung Inklu­si­on und Teil­ha­be noch beschleu­nigt. Wäh­rend im Bil­dungs­sys­tem die schu­li­sche Inklu­si­on kon­tro­vers dis­ku­tiert wird, spielt die (Erwerbs-)Arbeit von Men­schen mit Behin­de­run­gen in den gesell­schaft­li­chen Debat­ten bis­her nur eine unter­ge­ord­ne­te Rolle. 

Am Bei­spiel der zen­tra­len Lebens­la­ge (Erwerbs-)Arbeit und mit Hil­fe des Dis­po­si­tiv­kon­zepts unter­sucht das Pro­jekt, wie sich die Pro­ble­ma­ti­sie­rungs­wei­sen von ‚dis/ability‘ ver­än­dern. In qua­li­ta­tiv-empi­ri­schen Unter­su­chungs­schrit­ten wer­den die Ver­bin­dun­gen zwi­schen behin­der­ten­po­li­ti­schen und ‑päd­ago­gi­schen Dis­kur­sen, pro­gram­ma­ti­schen Anru­fun­gen, gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen und all­täg­li­chen Prak­ti­ken sowie den Sub­jek­ti­vie­rungs­wei­sen von Men­schen mit Behin­de­run­gen her­aus­ge­ar­bei­tet. Unter­sucht wer­den, ers­tens, in einer dia­chro­nen Per­spek­ti­ve die Erwerbs­bio­gra­phien von zwei Alters­grup­pen von Män­nern und Frau­en mit unter­schied­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen und, zwei­tens, auf syn­chro­ner Ebe­ne das gegen­wär­ti­ge Arbeits(er-)leben von Men­schen mit Lern­schwie­rig­kei­ten in Werk­stät­ten und Inklusionsbetrieben. 

Als Erhe­bungs­me­tho­den die­nen leit­fa­den­struk­tu­rier­te, nar­ra­tiv ori­en­tier­te Inter­views, eth­no­gra­phi­sche Beob­ach­tun­gen und Grup­pen­dis­kus­sio­nen; die Aus­wer­tung erfolgt mit­tels Dis­kurs- und Dis­po­si­tiv­ana­ly­sen; dabei wird im Anschluss an den Inter­sek­tio­na­li­täts­an­satz auch die Inter­de­pen­denz der Dif­fe­renz­ka­te­go­rien Gen­der und dis/ability berück­sich­tigt. Der inte­gra­ti­ve For­schungs­an­satz ver­bin­det Per­spek­ti­ven der all­ge­mei­nen Sozio­lo­gie, der Sozio­lo­gie der Behin­de­rung und der Disa­bi­li­ty Stu­dies. Das Pro­jekt lie­fert Bei­trä­ge zu den aktu­el­len Debat­ten über Inklu­si­on, Par­ti­zi­pa­ti­on und Intersektionalität. 

Publi­ka­tio­nen:

  • Wald­schmidt, Anne/Karim, Sarah/Ledder, Simon. (2020). Wie lässt sich ‚dis/ability‘ mit Hil­fe des Dis­po­si­tiv­kon­zepts nach Michel Fou­cault theo­re­tisch den­ken und empi­risch unter­su­chen? Eine Ein­füh­rung. In: Breh­me, David/Fuchs, Petra/Köbsell, Swantje/Wesselmann, Car­la (Hrsg.) Disa­bi­li­ty Stu­dies im deutsch­spra­chi­gen Raum. Zwi­schen Eman­zi­pa­ti­on und Ver­ein­nah­mung. Wein­heim (Beltz Juven­ta), S. 158–164.
  • Karim, Sarah/Waldschmidt, Anne. (2019). Unge­ahn­te Fähig­kei­ten? Behin­der­te Men­schen zwi­schen Zuschrei­bung von Unfä­hig­keit und Doing Abi­li­ty. In: Öster­rei­chi­sche Zeit­schrift für Sozio­lo­gie, 44. Jg., H. 3, S. 269–288. DOI:10.1007/s11614-019–00362‑3 (peer review)

Vor­trä­ge & Workshops:

  • Un/doing Dis/ability im Arbeits­all­tag. Eine ver­glei­chen­de Ana­ly­se von Prak­ti­ken in Inklu­si­ons­be­trie­ben und Werk­stät­ten für behin­der­te Men­schen. Vor­trag im Rah­men der Tagung „Arbeits­markt­in­te­gra­ti­on im All­tag. Inklu­si­ons­be­darf von gesund­heit­lich beein­träch­tig­ten und ande­ren benach­tei­lig­ten Arbeit­neh­me­rIn­nen.“ Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Ber­lin, Insti­tut für Sozio­lo­gie, digi­tal, 3. Dezem­ber 2020.
  • Un/Sichtbarkeit ein­for­dern: Behin­der­te Men­schen zwi­schen Aner­ken­nung und Stig­ma­ti­sie­rung. Vor­trag im Rah­men der Ad hoc-Grup­pe „Unsicht­bar­keit als Kate­go­rie sozia­ler Ungleich­heit – theo­re­ti­sche und empi­ri­sche Ana­ly­sen zu all­täg­li­chen Pra­xen, Macht­ver­hält­nis­sen und Grenz­ver­schie­bun­gen“ auf dem 40. Kon­gress der Deut­schen Gesell­schaft für Sozio­lo­gie. Digi­tal, 18. Sep­tem­ber 2020.
  • un/doing dis/ability – A Prac­ti­ce Theo­ry approach to working in shel­te­red and inclu­si­ve envi­ron­ments. Vor­trag im Rah­men der Kon­fe­renz „His­to­ries, Prac­ti­ces and Poli­ci­es of Disa­bi­li­ty: Inter­na­tio­nal, Com­pa­ra­ti­ve and Trans­di­sci­pli­na­ry Per­spec­ti­ves” 8th Annu­al Con­fe­rence of ALTER – Euro­pean Socie­ty for Disa­bi­li­ty Rese­arch. Uni­ver­si­tät zu Köln, 5. Sep­tem­ber 2019.
  • Simon Led­der: „Vehi­kel oder Bar­rie­re der Inklu­si­on? Die Erwerbs­ar­beit von Men­schen mit Behin­de­run­gen als The­ma des behin­der­ten­po­li­ti­schen Dis­kur­ses in Deutsch­land“. Vor­trag auf der 34. Jah­res­ta­gung der Inklusionsforscher*innen “Grenzen.Gänge.Zwischen.Welten“, Uni­ver­si­tät Wien, 28. Janu­ar 2020 (mit Anne Wald­schmidt und Sarah Karim)
  • Work­shop: „(Nicht-)Behinderung – ein ‚Dis­po­si­tiv‘? Ein­füh­rung und Fall­stu­di­en“ auf der Tagung „Zwi­schen Eman­zi­pa­ti­on und Ver­ein­nah­mung. Disa­bi­li­ty Stu­dies im deutsch­spra­chi­gen Raum“, Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le Ber­lin, 20. Okto­ber 2018
    • Anne Wald­schmidt: Wie lässt sich „dis/ability“ mit Hil­fe des Dis­po­si­tiv­kon­zepts nach Michel Fou­cault theo­re­tisch den­ken? Eine Einführung
    • Sarah Karim: Das ‚(un-)fähige Selbst‘ im Span­nungs­feld von Dis­po­si­ti­ven der (Erwerbs-)Arbeit und Inklusion
    • Simon Led­der: Kon­struk­tio­nen von (Nicht-)Behinderung in digi­ta­len Spielen